In diesem Gebiet lebten mindestens vier verschiedene Sauropoden, die sich deutlich in ihrer Größe unterschieden. In diesem Gebiet lebten mindestens vier verschiedene Sauropoden, die sich deutlich in ihrer Größe unterschieden. Das Jahr 2025 hat bereits einige neue Dinosaurier. Bislang wurden 9 neue Gattungen und 9 neue Arten, aber trotzdem 11 neue Dinosaurier beschrieben. Wie geht das? Nun, es wurden zunächst einmal zwei bisherige Arten (A. bissektensis und M. hungaricus) neuen Gattungen (Dzharacursor und Petrustitan) zugeordnet. Die Artnamen blieben dabei gemäß den Regeln des ICZN bestehen. Daneben wurde innerhalb von zwei älteren Gattungen (Xingxiulong und Sinosauropteryx) eine jeweils neue Art (X. yueorum und S. lingyuanensis ) aufgestellt. Die anderen Neuzugänge sind aber jeweils ganz neue Dinosauriergattungen und -Arten!
Außerdem könnte man die basalen Ornithischier Gondwanax paraisensis und Archaeocursor asiaticus, die Ornithopoden Emiliasaura alessandrii und Qianjiangsaurus changshengi sowie den Thropoden Yuanyanglong bainian ebenfalls zu 2025 rechnen, da die Forschungspaper zu diesen fünf Dinosauriern in diesem Jahr offiziell erscheinen werden. Sie wurden allerdings bereits im vorherigen Jahr angekündigt und die Studien waren schon 2024 öffentlich einsehbar, weshalb ich sie noch zum vergangenen Jahr rechne. Sie zählen auch beim Bingo nicht mit (siehe unten).
Die neuen Dinosaurier aus 2025 stammen aus China 🇨🇳 (3), Rumänien 🇷🇴 (2), den USA 🇺🇲 (1), Usbekistan 🇺🇿 (1), Ägypten 🇪🇬 (1), Mexiko 🇲🇽 (1), Argentinien 🇦🇷 (1) und der Mongolei 🇲🇳 (1).
Die Dinosaurier aus 2025 in der Übersicht:
THEROPODA: (5)
Duonychus tsogtbaatari (Therizinosauridae), Pflanzenfresser aus der Mongolei 🇲🇳, Oberkreide.
Dzharacursor bissektensis (Ornithomimidae), Allesfresser aus Usbekistan 🇺🇿, frühe Oberkreide.
Huadanosaurus sinensis (Sinosauropterygidae), Fleischfresser aus China 🇨🇳, Unterkreide.
Mexidracon longimanus (Ornithomimidae), Pflanzenfresser aus Mexixo 🇲🇽, Oberkreide.
Sinosauropteryx lingyuanensis (Sinosauropterygidae), Fleischfresser aus China 🇨🇳, Unterkreide.
Tameryraptor markgrafi (Charcharodontosauridae), Fleischfresser aus Ägypten 🇪🇬, frühe Oberkreide.
SAUROPODOMORPHA: (5)
Ahvaytum bahndooiveche (Saturnaliidae), Allesfresser aus den USA 🇺🇲, Obertrias.
Chadititan calvoi (Rinconsauria), Pflanzenfresser aus Argentinien 🇦🇷, Oberkreide.
Petrustitan hungaricus (Titanosauria), Pflanzenfresser aus Rumänien 🇷🇴, Oberkreide.
Uriash kadici (Titanosauria), Pflanzenfresser aus Rumänien 🇷🇴, Oberkreide.
Xingxiulong yueorum (Massopoda), Pflanzenfresser aus China 🇨🇳, Unterjura.
ORNITHISCHIA (0):
Chadititan calvoi
Neuer Titanosaurier aus Argentinien (Angolin et al. 2025)
Nahe der Stadt General Roca in der Provinz Río Negro, Argentinien fand ein Forscherteam in in einer einzigen fossilführenden Schicht neben etlichen fossilen Muscheln, Landschnecken und Fischen auch die Überreste von Abelisauriern und eines Sauropoden. In einer neuen Studie bekam der Langhalssaurier nun einen wissenschaftlichen Namen: Chadititan calvoi. Der Gattungsname ist ein Mischwort aus Mapuche und Altgriechisch und bedeutet soviel wie „Salzriese“. Der Artname ehrt den verstorbenen argentinischen Paläontologen Jorge O. Calvo, der die Gruppe Rinconsauria, zu der dieses Taxon gehört, benannt hat. Chadititan ist nur durch ein teilweise erhaltenes postcraniales Skelett bekannt, allerdings werden auch mehrere weitere in der Anacleto Foramtion gefundene Sauropoden-Fossilien der neuen Art zugeordnet.
Trotz des anderslautenden Namens war Chadititan für Sauropoden-Maßstäbe ausgesprochen klein und wurde „nur“ etwa 7m lang und 800kg schwer. Obwohl das bekannte Fossilmaterial fragmentarisch ist, weist Chadititan mehrere Ähnlichkeiten mit anderen Rinconsauriern auf. Der Oberarmknochen und Oberschenkelknochen zeigen, dass die Gliedmaßen schlank und relativ gerade waren. Zudem gibt es keine Anzeichen für eine Panzerung mit Osteodermen, die besonders für viele kleinere Sauropoden typisch ist. Chadititan teilte sich seinen Lebensraum mit Schildkröten, Krokodilen und einem bislang unbekannten Flugsaurier. Außerdem musste er dort vor hungrigen Abelisauriern auf der Hut sein. Diese Faunenzusammensetzung ähnelt anderen Fossilgemeinschaften aus der späten Kreidezeit Nordpatagoniens, unterscheidet sich jedoch deutlich von Campanium-Gemeinschaften aus Nordamerika und Europa.
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Name: Chadititan calvoi
Systematik: Rinconsauria Körperlänge: ca. 7m Gewicht: ca. 800kg Nahrung: Pflanzenfresser Lebensraum: AnacletoFormation (Argentinien 🇦🇷) Zeitraum: Oberkreide ( |
Duonychus tsogtbaatari
Neur Therizinosaurier aus der Mongolei (Kobayashi et al.)
Bereits 2012 hat die „Urlibe Khudak“-Fundstelle in der mongolischen Bayanshiree Formation, nahe der Stadt Khanbogd tief in der Wüste Gobi ein bemerkenswertes Fossil freigegeben. Im Rahmen einer Expedition des Instituts für Paläontologie der Mongolischen Akademie der Wissenschaften wurden sechs Rückenwirbel mit einigen Rippenfragmenten, sechs Kreuzbeinwirbeln mit zugehörigen Rippen, der erste Schwanzwirbel, ein Teil des linken Schulterblatts mit Rabenschnabelbein, beide fast vollständige Arme sowie Teilen des Beckens eines theropoden Dinosauriers freigelegt. Bereits bevor es offiziell beschrieben wurde, wurde das Fossilmaterial 2015 und 2024 in zwei Arbeiten erwähnt. Nun bekam der Dinosaurier einen neuen Namen: Duonychus tsogtbaatari. Der Gattungsname bedeutet auf Latein und Griechisch „zweifache Kralle“, weil Duonychus erstaunlicherweise nur zwei Finger besaß. Der Artname ehrt den mongolischen Paläontologen Khishigjav Tsogtbaatar.
Das Exemplar war wohl noch nicht ausgewachsen und wog zum Zeitpunkt seines Todes etwa 260kg. Die Hand ist besonders gut erhalten und weist die erste bekannte Hornscheide einer Kralle bei einem Theropoden auf. Der Aufbau des Handskeletts unterscheidet sich maßgeblich von allen anderen Therizinosauriern, besonders das Fehlen des dritten Fingers. Dennoch sind die Handkrallen groß und gebogen. Die Hornscheide erhöht den gebogenen Winkel der Kralle auf ca. 120° und verlängert sie um beinahe die Hälfte. Der Bewegungsbereich von Ellenbogen und erstem Finger war bei Duonychus eingeschränkt, ähnlich wie bei anderen zweifingrigen Theropoden wie Tyrannosaurus oder dem oviraptoriden Oksoko. Das Krallengelenk konnte jedoch fast rechtwinklig gebeugt werden, eine bei Therizinosauriern Besonderheit. Duonychus lebte in einer semiariden Flusslandschaft, wo er sich wohl von Blättern, Zweigen und Früchten ernährte.
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Name: Duonychus tsogtbaatari
Systematik: Therizinosauridae Körperlänge: ca. 3m Gewicht: ca. 260kg Nahrung: Pflanzenfresser Lebensraum: Bayanshiree Formation (Mongolei 🇲🇳) Zeitraum: Oberkreide ( |
Dzharacursor bissektensis
Neuer Ornithomimide aus Usbekistan (Averianov & Sues 2025)
Bereits 1995 beschrieb Lev A. Nesov eine neue Art von Ornithomimosauriern aus der Bissekty Formation als Archaeornithomimus bissektensis. Die Grundlage war ein Oberschenkelknochen eines noch nicht ausgewachsenen Individuums, sowie weitere zugeordnete Funde wie der Mittelfußknochen. Spätere Studien stellten die Zugehörigkeit dieser Art zu Archaeornithomimus jedoch in Frage oder erwähnten sie nicht weiter. Jetzt haben Averianov & Sues diese Art der neuen Gattung Dzharacursor zugeordnet, der Artname bissektensis bleibt gemäß der Regeln der zoologischen Nomenklatur erhalten. Der neue Gattungsname bedeutet soviel wie „Läufer von Dzharakuduk“, was sich auf die Fundregion bezieht. Auch der Artname bezieht sich auf die Bissekti Formation als fossilienreiche Fundregion
Zusätzlich zum Holotyp wurden zahlreiche weitere fossile Überreste verschiedener Individuen aus derselben Fundstelle der Gattung zugewiesen, was eine ausreichende Diagnose ermöglichte. Zu den gefundenen Materialien gehören Schädelknochen, Wirbel, Schulter- und Beckengürtel, sowie Vorder- und Hintergliedmaßen. In ihren phylogenetischen Analysen stuften die Forscher Dzharacursor als basales Mitglied der Ornithomimidae ein, das stärker abgeleitet ist als Archaeornithomimus. Dzharacursor teilte seinen Lebensraum in der Bissekty-Formation mit anderen Theropoden, darunter Ulughbegsaurus, Timurlengia und Itemirus. Er wurde wahrscheinlich etwas mehr als 3m lang und ca. 150kg schwer, war also ein durchschnittlich großer „Vogelnachahmer“.
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Name: Dzharacursor bissektensis
Systematik: Ornithomimidae Körperlänge: ca. 3,5m Gewicht: ca. 150kg Nahrung: Allesfresser Lebensraum: Bissekty Formation (Usbekistan 🇺🇿) Zeitraum: Frühe Oberkreide ( |
Huadanosaurus sinensis
Neuer Sinosauropterygide aus China (Qiu et al. 2025)
In Aufschlüssen der Yixian Formation bei Lingyuan, einer Lagerstätte in der chinesischen Provinz Liaoning, entdeckten Forscher die Fossilien mehrerer kleiner Theropoden, die dort während der unteren Kreidezeit lebten. Darunter befand sich auch ein nahezu vollständiges Skelett, dem bloß die Füße und der mittlere Teil des Schwanzes fehlen. Jetzt wurde das Exemplar als Huadanosaurus sinensis beschrieben. Der Gattungsname geht auf das chinesische Wort für „Geburtstag“ zurück, weil er genau zum 70-jährigen Bestehen der Akademischen Abteilungen der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CASAD) entdeckt und beschrieben wurde. Der Artname verweist wiederum auf China als Fundland.
Das beschriebene Exemplar hatte in seinem Bauchraum Knochen von kleinen Säugetieren, von denen es sich offenbar ernährte und sie – berücksichtigt man ihren Zustand – wohl im Ganzen verschluckte. Da die meisten mesozoischen Säugetiere wohl nachtaktiv waren, könnte auch Huadanosaurus nachts gejagt haben. Der gefräßige kleine Dinosaurier verfügte über eine hohe Beißkraft, war aber vermutlich noch ein Jungtier, da die neurozentralen Strukturen der Wirbel noch nicht miteinander verwachsen waren. Außerdem ist der Schädel mit 10,1cm Länge im Verhältnis zum Rest des Körpers sehr groß. Dennoch ähnelt Huadanosaurus mehreren Dinosauriern, die historisch der Familie der Compsognathidae zugeordnet wurden. In einer ausführlichen Revision wurden die asiatischen Vertreter dieser Klade noch einmal genauer betrachtet und gelten nun als Sinosauropterygiden, eine Familie, die bereits bereits 1996 von Ji & Ji aufgestellt und nun wiederbelebt wurde.
Mehr dazu liest du unten, bei der Beschreibung von Sinosauropteryx lingyuanensis, der im gleichen Paper wie Huadanosaurus beschrieben wurde.
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Name: Huadanosaurus sinensis
Systematik: Sinosauropterygidae Körperlänge: ca. 1m (Jungtier!) Gewicht: ca. 0,6kg Nahrung: Fleischfresser Lebensraum: Yixian Formation (Liaoning; China 🇨🇳) Zeitraum: Unterkreide ( |
Mexidracon longimanus
Neuer Ornithomimide aus Mexiko (Serrano-Brañas et al. 2025)
Bereits 2014 entdeckte der Knochenjäger Claudio de León-Dávila in der Fundstelle Loma Prieta in der mexikanischen Cerro del Pueblo Formation, genauer in der Difunta-Gruppe nahe der Stadt Porvenir de Jalpa im Bundesstaat Coahuila, das teilweise artikulierte Skelett eines kleinen Theropoden. Es besteht aus Rücken-, Kreuzbein- und Schwanzwirbeln, Chevron-Knochen, einem unvollständigen linken Arm, Teilen des Beckengürtels und Teilen der Hinterbeine. Jetzt wurde der Fund schließlich beschrieben und als bislang unbekannte Art der „Vogelnachahmer“, der Ornithomimiden, erkannt. Dabei bekam er den Namen Mexidracon longimanus. Der Gattungsname bedeutet soviel wie „mexikanischer Drache“, der Artname stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „lange Hand“. Dies ist ein Hinweis auf die außergewöhnlich verlängerten Hände des Dinosauriers.
Dies macht Mexidracon zu einem einzigartigen Vertreter seiner Familie. Möglicherweise dienten die langen Hände dazu, effizienter Vegetation herbeizuziehen. Diese Funktion wird auch für andere Theropoden wie Deinocheirus und Therizinosaurier vermutet. Zudem besitzt Mexidracon einen leicht längeren Oberschenkelknochen als Schienbein, was zusammen mit den verlängerten Händen darauf hindeuten könnte, dass er deutlich weniger schnell laufen konnte als andere Ornithomimiden, die zu den schnellsten Dinosauriern überhaupt gehörten. Ein zeitgleich und im gleichen Lebensraum vorkommender Vogelnachahmer, der vorläufig und informell „Saltillomimus“ genannt wird, scheint an eine schnelle Fortbewegung über weiche, schlammige Böden angepasst zu sein. Mexidracon hingegen hatte schlankere Füße, was darauf hinweisen könnte, dass er weniger gut an solche Untergründe angepasst war.
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Name: Mexidracon longimanus
Systematik: Ornithomimidae Körperlänge: ca. 3m Gewicht: ca. 80kg Nahrung: Pflanzenfresser Lebensraum: Cerro del Pueblo Formation (Mexiko 🇲🇽) Zeitraum: Oberkreide ( |
Petrustitan hungaricus
Neuer Titanosaurier aus Rumänien (Díez Díaz et al. 2025)
Bereits 1932 stellte der deutsche Paläontologe Friedrich von Huene die Gattung Magyarosaurus auf und ordnete ihr drei Sauropoden-Arten zu, die alle aus der rumänischen Sânpetru Formation stammen: M. dacus (die Typusart), M. hungaricus und M. transsylvanicus. Spätere Analysen erkannten jedoch nur M. dacus als gültige Art an. „M. transsylvanicus“ stellte sich als Chimäre heraus, „M. hungaricus“ wird schon seit einiger Zeit als Vertreter einer eigenständigen Gattung betrachtet. In diesem Jahr haben Díez Díaz et al. eine detaillierte anatomische Untersuchung sowohl historischer als auch bisher unbeschriebener Funde, kombiniert mit archivierten Daten, vorgenommen.
Dabei konnten sie „M. hungaricus“ offiziell einer neuen Gattung zuweisen: Petrustitan hungaricus. Der Gattungsname leitet sich aus den altgriechischen Wörtern πέτρα (pétra, „Stein, Fels“) – in Anspielung auf die felsigen Aufschlüsse der Typlokalität Sânpetru – und τιτάν (tītā́n, „Riese“), einem häufig verwendeten Begriff bei der Benennung titanosaurischer Sauropoden, ab. Der Artname bleibt nach den Regeln des ICZN erhalten und verweist auf das ehemalige Königreich Österreich-Ungarn, zu dem die Fundregion einst gehörte. Einige ursprünglich diesem Taxon zugeordnete Funde erhielten außerdem den eigenen Gattungsnamen Uriash, der weiter unten noch einen eigenen Beitrag hat. Dort erfährst du auch mehr zur interessanten Ökologie der geheimnisvollen Insel Hațeg und der (wahrscheinlichen) Entwicklungsgeschichte ihrer doch sehr unterschiedlichen Sauropoden.
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Name: Petrustitan hungaricus
Systematik: Titanosauria Körperlänge: ca. 7,5m Gewicht: ca. 4.000kg Nahrung: Pflanzenfresser Lebensraum: Sânpetru Formation (Rumänien 🇷🇴) Zeitraum: Späte Oberkreide ( |
Sinosauropteryx lingyuanensis
Neuer Sinosauropterygide aus China (Qiu et al. 2025)
In Aufschlüssen der Yixian Formation bei Lingyuan, einer Lagerstätte in der chinesischen Provinz Liaoning, entdeckten Forscher ein nahezu vollständiges Skelett eines kleinen Theropoden. Lediglich die Füße und das Ende des Schwanzes fehlen. In einem neuen Paper über die kleinen asiatischen Theropoden haben Qiu et al. (2025) direkt zwei neue Dinosaurier beschrieben: eine bislang unbekannte Gattung und Art, Huadanosaurus sinensis (siehe oben!), sowie eine neue Art der bereits bekannten Gattung Sinosauropteryx, S. lingyuanensis. Der Gattungsname bedeutet „chinesischer Echsenflügel“, die neue Art wurde nach der Stadt Lingyuan benannt, in deren Nähe das Exemplar gefunden wurde. Sie unterscheidet sich von anderen Sinosauropterygiden u.a. durch einen Jochbogenfortsatz des relativ niedrigen und langgestreckten Oberkiefers, der annähernd gleich lang wie die Schnauze ist.
Sinosauropteryx lingyuanensis repräsentiert sehr wahrscheinlich ein Jungtier, ist jedoch mit 1,2m (geschätzter) Körperlänge das bislang größte bekannte Exemplar der Gattung. Ein morphologischer Vergleich hat ergeben, dass mindestens drei verschiedene Jagdstrategien bei gleichzeitig lebenden Arten vorkamen. Ihre Diversifizierung könnte auf Landschaftsveränderungen zurückzuführen sein, die durch die Zerstörung des Nordchina-Kratons verursacht wurden. Sinosauropteryx lingyuanensis hatte offenbar eine deutlich geringere Beißkraft als Huadanosaurus. Aufgrund seiner Federfärbung, die bei der Typusart S. prima anhand von Pigmenterhaltung nachgewiesen ist, könnten beide Sinosauropteryx-Arten vielleicht tagaktiv gewesen sein. Ihre Tarnung kam ihnen in sonnigen, offenen Bereichen bei der Jagd nach kleinerer Beute sicher sehr zugute. Der eng verwandte, aber deutlich größere Sinocalliopteryx jagte wahrscheinlich größere Tiere.
Wiederhergestellte Familie: Sinosauropterygidae sind die „Compsognathiden“ aus China! (Qiu et al. 2025)
Einige Studien und Analysen der letzten Jahre, darunter Rauhut et al. (2012), Rauhut & Foth (2020) sowie Cau (2024), haben Zweifel an der Gültigkeit einer der populär bekanntesten Theropoden-Familien aufkommen lassen. Es scheint zunehmend wahrscheinlicher, dass die Compsognathidae gar keine natürliche Gruppe bildet, also eine sogenannte paraphyletische Klade sein könnte. Die Forscher vermuten, dass einige ihrer typischen Merkmale, möglicherweise bloß ein bestimmtes Wachstumsstadium zeigen. Die meisten Taxa, die Compsognathidae zugeordnet wurden, sind schließlich nur von Jungtieren bekannt sind. Könnten „Compsognathiden“ also bloß die Jungtiere anderer, vielleicht sogar viel größerer Theropoden sein? Ein Forscherteam aus China machte sich nun daran, diese Hypothese zu überprüfen.
Sie kamen dabei zum Ergebnis, dass die „Compsognathiden“ der Jehol-Biota aus der frühen Kreidezeit wie Sinosauropteryx, Huaxiagnathus, Sinocalliopteryx sowie der brasilianische Mirischia tatsächlich wohl doch eine natürliche Gruppe bilden. Mit Rücksicht auf die aktuellen Überlegungen bezeichnen sie diese aber nun als Sinosauropterygidae, ein Taxon, das bereits 1996 von Ji & Ji (übrigens als eine Familie ausgestorbener Vögel!) aufgestellt worden war, aber inzwischen als monotypisch galt. Der deutsche Compsognathus war zwar wohl nah mit ihnen verwandt, steht aber doch außerhalb dieser Familie.
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Name: Sinosauropteryx lingyuanensis
Systematik: Sinosauropterygidae Körperlänge: ca. 1,2m (Jungtier!) Gewicht: ca. 1,2kg Nahrung: Fleischfresser Lebensraum: Yixian Formation (Liaoning; China 🇨🇳) Zeitraum: Unterkreide ( |
Tameryraptor markgrafi
Umbenennung des von Stromer entdeckten Carcharodontosaurus (Kellermann, Cuesta & Rauhut)
Bei der berühmten Ägypten-Expedition des deutschen Paläontologen Ernst Stromer von Reichenbach im Jahre 1914 entdeckte einer seiner Mitarbeiter, der Österreicher Richard Markgraf, die fossilen Überreste eines großen Theropoden. Die Sedimente dieser Region stammen aus dem Cenomanium und gehören zur Bahariya-Formation, einer von vielen Fundstellen der Kreidezeit in Nordafrika. Das Skelett bestand aus einem Teil des Schädels mit Zähnen, drei Halswirbeln, einem Schwanzwirbel, Teilen des Beckens, einem Fingerglied, beiden Oberschenkelknochen und dem linken Wadenbein.
Aufgrund politischer Spannungen zwischen dem Deutschen Kaiserreich und England dauerte es bis 1922, bis das Skelett endlich nach München transportiert und beschrieben werden konnte. 1931 erkannte Stromer Gemeinsamkeiten zu Zähnen und Knochenfunden, die 1925 als „Megalosaurus saharicus“ beschrieben wurden. Er stellte aber eine neue Gattung auf und benannte die algerischen Funde gemeinsam mit seinem eigenen Fund neu, als Carcharodontosaurus saharicus. 1944 wurden die Fossilien der Ägypten-Expeditionen bei einem Bombenangriff auf München im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört. Nur ein zuvor erstellter Endokast überlebte den Krieg und ist das einzige erhaltene Relikt des Holotyps.
Die Neubenennung
Jetzt haben Forscher das Exemplar auf Basis archivierter Fotografien und Zeichnungen der Fossilien neu beschrieben. Dabei fielen ihnen signifikante Unterschiede zu weiteren Exemplaren aus anderen Nordafrikanischen Fundstellen auf, die inzwischen Carcharodontosaurus zugeschrieben wurden. Viele dieser Funde waren zudem viel größer als Stromers Exemplar, dass außerdem ein kleines Horn auf der Schnauze trug, welches den übrigen Exemplaren fehlt. Somit fanden die Forscher es gerechtfertigt, das ägyptische Material fortan als neue Gattung und Art zu führen. Diese trägt nun den Namen Tameryraptor markgrafi.
Der Gattungsname kombiniert eine altägyptische Phrase, die „geliebtes Land“ bedeutet, mit dem lateinischen Wort raptor („Dieb“). Der Artname ehrt den Entdecker. Bereits Stromer schätze Tameryraptor auf etwa 8–9 Meter Länge, er erreichte damit wohl ein Gewicht von etwa zwei Tonnen. In der phylogenetischen Analyse wurde Tameryraptor als Vertreter der Carcharodontosauridae eingestuft. Die Forscher fanden zudem Unterstützung für die These, dass Carcharodontosauriden und Metriacanthosauriden eine gemeinsame Klade bilden, die sie als Carcharodontosauriformes benannten. Der Lebensraum von Tameryraptor grenzte an das Tethysmeer, das die Region in eine von Mangroven dominierte Küstenlandschaft mit ausgedehnten Wattflächen und Wasserwegen verwandelte. Tameryraptor lebte dort gemeinsam mit anderen Theropoden, wie Abelisauriden und dem berühmten Spinosaurus. Außerdem kamen dort auch riesige Sauropoden vor.
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Name: Tameryraptor markgrafi
Systematik: Carcharodontosauridae Körperlänge: ca. 8,5m Gewicht: ca. 2.000kg Nahrung: Fleischfresser Lebensraum: Bahariya Formation (Ägypten 🇪🇬) Zeitraum: Frühe Oberkreide ( |
Uriash kadici
Neuer Titanosaurier aus Rumänien (Díez Díaz et al. 2025)
Uriash kadici ist eine neue Gattung der Titanosaurier aus dem späten Maastrichtium der Kreidezeit in Rumänien. Das Holotyp-Exemplar dieser Gattung wurde ursprünglich Petrustitan zugeordnet (siehe oben). In diesem Jahr haben Díez Díaz et al. eine detaillierte anatomische Untersuchung sowohl historischer als auch bisher unbeschriebener Funde der Sauropoden Rumäniens vorgenommen. Dabei konnte Uriash kadici aber als eigene Gattung und Art aufgestellt werden. Der Gattungsname leitet sich vom rumänischen Wort „uriaș“ ab, das den Riesen in der rumänischen Folklore bezeichnet. Der Artname kadici ehrt den ungarischen Geologen Ottokár Kadić (1876–1957). Das Hațeg-Becken und die umliegenden Gebiete in Transsilvanien, im Westen Rumäniens, sind ein bedeutendes Forschungsgebiet für die Wirbeltierfaunen eines Insel-Archipels im späten Kreidemeer Europas. In diesem Gebiet lebten mindestens vier verschiedene Sauropoden, die sich deutlich in ihrer Größe unterschieden.
Magyarosaurus war winzig für einen Sauropoden und erreichte weniger als 3m Länge und wohl nur etwa 750kg Gewicht. Er wird als Verwandter der Saltasauridae eingeordnet. Paludititan, ebenfalls relativ klein, erreichte etwa 6m Länge und wog etwa 1,1 Tonnen. Er zeigte Verwandtschaft zu den Lognkosauria, ähnlich wie der zeitgleich lebende Lohuecotitan. Etwas größer war Petrustitan, der am engsten mit frühen eutitanosaurischen Dinosauriern aus Südamerika verwandt war. Der größte der vier war Uriash kadici. Er wird auf eine Länge von 8,83 bis 11,87 Metern geschätzt und könnte ein Gewicht von 5 bis 8 Tonnen erreicht haben. Uriash weist ebenfalls Ähnlichkeiten zu Dinosauriern aus Gondwana auf. Dies unterstützt die These, dass die europäischen Titanosaurier der späten Kreidezeit von südlichen, gondwanischen Linien abstammten. Diese Dinosaurier wanderten vermutlich während der mittleren Kreidezeit nach Norden ein und trafen auf bereits ansässige, kleinwüchsige Sauropoden, die sich aufgrund des begrenzten Lebensraums zu Zwergformen entwickelt hatten.
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Name: Uriash kadici
Systematik: Titanosauria Körperlänge: ca. 9,5m Gewicht: ca. 6.500kg Nahrung: Pflanzenfresser Lebensraum: Sânpetru Formation (Rumänien 🇷🇴) Zeitraum: Späte Oberkreide ( |
Xingxiulong yueorum
Neue Art eines frühen Sauropodomorphen aus China (Chen et al. 2025)
Xingxiulong ist der Name der Gattung eines frühen Sauropodomorphen, also eines Vorfahren der späteren Langhals-Dinosaurier. Die ersten Überreste wurden bereits 2013 im Dorf Sankeshu bei Lufeng in der chinesischen Provinz Yunnan entdeckt. 2015 kamen auch in Erzuanshan weitere, sehr ähnliche Knochen zum Vorschein. 2017 wurden die Exemplare beschrieben und bekamen ihren Namen: Xingxiulong chengi. Nun hat sich ein Team um Xiang-Yuan Chen zusammen mit den Autoren der ersten Studie beide Exemplare aber noch einmal genauer angesehen. Dabei stellten sie fest, dass sich die beiden Skelette am Hüftgelenk, am Sprungbein und im Bau de fünften Zehs doch so sehr unterscheiden, dass dies nicht etwa durch Geschlechtsunterschiede oder verschiedene Wachstumsstadien zu erklären ist. Es handelt sich also offenbar doch um zwei Vertreter von unterschiedlichen Arten!
Das zweite Exemplar wird nun der Art Xingxiulong yueorum zugeordnet. Der Gattungsname bedeutet „Drache der Xingxiu-Brücke“, nach einem Bauwerk, das bereits in der Ming-Dynastie erbaut wurde. Der neue Artname ehrt die Yue-Geschwister, die zur Sammlung und Präparation von Lufeng-Dinosaurierfossilien beitrugen. Xingxiulong yueorum lebte in der Zhangjiaao Formation während des frühen Unterjura vor etwa 200 Ma. Die Gegend war damals noch eine tropische Landschaft mit Seen, Flüssen und Überschwemmungsflächen, wo auch andere, noch größere Sauropodomorphen wie Lufengosaurus, Yunnanosaurus und Jingshanosaurus lebten. Auch einige Theropoden machten die Gegend damals unsicher und Jagd auf frühe Vogelbecken-Dinosaurier, Schildkröten und Säugetiere.
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Name: Xingxiulong yueorum
Systematik: Massopoda Körperlänge: ca. 4,5m Gewicht: ca. 800kg Nahrung: Pflanzenfresser Lebensraum: Zhangjiaao Formation (Yunnan; China 🇨🇳) Zeitraum: Unterjura ( |
Gewinnspiel
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Solange noch kein neuer Dinosaurier im Jahr 2024 entdeckt oder beschrieben wurde, lief hier auf meiner Seite sowie auf Facebook und Instagram wieder ein Dino-Bingo! Hierbei durften alle meine Leser einen Tipp abgeben:
Wie viele neue Dinos werden im 2025 wohl insgesamt neu beschrieben? |
Es gelten alle in einem neuen Forschungspaper veröffentlichten Nichtvogel-Dinosaurier, die 2025 neu dazu kommen kommen werden. Neue Namen, die schon letztes Jahr oder zuvor bereits angekündigt wurden, und bei denen das Paper dann aber auch 2025 erscheint, zählen hier allerdings nicht mit! Diese habe ich schon zu 2024 dazugerechnet. Ich bin gespannt, wie 2025 abschneiden wird!
Gewinner wird sein, wer die korrekte Zahl tippt bzw. mit seinem Tipp der tatsächlichen Anzahl neuentdecker Dinosaurier aus 2025 am nächsten ist. Auf den Gewinner wartet auch dieses Jahr wieder eine schöne Überraschung!
Auch das Jahr 2025 bekam bereits sehr zeitig einen neuen Dinosaurier. Somit endete das Dino-Bingo in diesem Jahr am 08. Januar.
Mitgemacht haben:
velocinaty (Instragram): 27
Michael Kubi: 31
Marcel Andreas Kopp: 32
Hagen Köhn: 33
Reinhold Schneider: 34
pyrate_seagull (Instagram): 36
Linda Hilger: 37
Lucas Jasper: 38
Benjamin Hinz: 39
Fabian Voß: 40
Sahar Kretschmer (außer Konkurrenz): 41
Tom Günther: 42
Dennis Spaniel: 43
Ralf Hermann: 44
Werner Appel: 45
Daniel Karnbach: 46
Stefan Reiss: 47
Samuel Felerias Wenger: 51
Tobias Möser: 52
Noch mehr neue Dinosaurier!
Du hast überhaupt keine Ahnung, was ein realistischer Tipp sein könnte? Kein Problem! Falls du eine kleine Starthilfe brauchst: Auf meiner Seite gibt es auch zu denen vergangenen Jahren jeweils einen Artikel. Dort kannst du ja mal spicken, wie viele Dinos es damals waren.
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Hier kommst du zu den neuen Dinosauriern aus den entsprechenden Jahren:
2025 |
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